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70 Jahre Kriegsende

Fürther Kriegsschäden sollen dokumentiert werden Die Stadtheimatpflegerin und die Verantwortlichen des Internet-Lexikons FürthWiki sammeln Fotos und bitten Bürger um Hilfe

VON CLAUDIA ZIOB

Welche Spuren der Zerstörung sind 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch im Stadtbild zu finden? Dieser Frage gehen die Stadtheimatpfleger und die Verantwortlichen des Internet-Lexikons FürthWiki nach — und bitten die Bürger, ihnen zu helfen.

FÜRTH —Am 19. April 1945, einem Donnerstag, endete der Zweite Weltkrieg in Fürth, als der kommissarische Oberbürgermeister Karl Häupler die Kapitulation erklärte. 15 Luftangriffe hatte die Stadt erlebt, elf Prozent der Bausubstanz war zerstört – im Vergleich mit anderen Orten war das Stadtbild gut erhalten geblieben. Ein Glück für Fürth, sagt Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz. „Wir leben nicht im Disneyland, sondern im Original. Es gibt ganze Straßenzüge, die fast unverändert dastehen.“ Die Spuren, die der Krieg dennoch hinterlassen hat, wollen Jungkunz, ihr Stellvertreter Lothar Berthold und der Trägerverein des Internet-Lexikons FürthWiki dokumentieren – bevor es zu spät ist. Noch seien zahlreiche Zeugnisse zu finden: durch Granatsplitter verursachte Abplatzungen an Gebäuden, Einschusslöcher in Fassaden, die von Kampfhandlungen mit den einrückenden US-Streitkräften künden, Geschosse, die nach Bombentreffern aufgesetzt wurden, aber auch Bunker, die Leben retten sollten, erhaltene Luftschutzzeichen an Hauswänden oder Gedenktafeln, die an Opfer erinnern. Durch Sanierungen verschwinden diese Spuren zunehmend. Einige Fotos, historische und aktuelle, haben die FürthWiki-Macher unter dem Titel „Relikte des Zweiten Weltkriegs“ bereits zusammengestellt. Mit Hilfe der Bürger soll die Sammlung auf der Internetseite wachsen: Wer Indizien des Krieges an seinem Haus erkennt oder aufschlussreiche alte Fotografien besitzt, soll sich melden, appellieren der Vereinsvorstand und die beiden Stadtheimatpfleger. Jungkunz, die um die Skepsis vieler in Sachen Denkmalschutz weiß, versichert: „Wir erwarten von keinem, dass er eine Plexiglasscheibe vor die Einschussstellen macht und sie konserviert. Uns geht es nur ums Dokumentieren.“ Von Interesse sind für sie auch Häuser wie das in der Luisenstraße 3, dessen mittlerer Teil nach einem Bombentreffer vereinfacht wiederaufgebaut wurde und links und rechts von verschnörkelten historischen Fassaden eingerahmt wird. Wann und wo Fürth im Krieg beschädigt wurde, lässt sich auf FuerthWiki nachlesen. Dass die Stadt wegen ihrer jüdischen Geschichte verschont worden sei, höre man oft, sagt Jungkunz. Nur: „Es stimmt nicht.“ Dass Fürth vergleichsweise wenig zu Schaden kam, habe man vielmehr der geografischen Lage zu verdanken und der Nähe zu Nürnberg. Süddeutsche Städte waren lange geschützt, weil der Weg für Kampfflugzeuge weit und damit riskant war, sagt auch Kamran Salimi, der dem Vorstand von FürthWiki angehört. Zudem war Nürnberg als Stadt der Reichsparteitage und auch wegen der dort ansässigen kriegswichtigen Unternehmen das wesentlich attraktivere Ziel. Und die Zeit drängte: Bis zum 20. April 1945, dem Geburtstag Adolf Hitlers, habe man Nürnberg einnehmen wollen. Strategische Ziele aber gab es auch in Fürth, wie die Dynamit-Nobel-AG, die Kasernen in der Südstadt und das Gelände der Bachmann & von Blumenthal Flugzeugwerke auf der Hardhöhe.

Wer von Relikten weiß, schickt ein Foto oder einen Hinweis an info@stadtheimatpflege-fuerth.de oder vorstand@fuerthwiki.de

Fürther Nachrichten vom 9. April 2015

Nürnberg-Fürther Scherbengericht

Was so ein kleines Scherblein, gefunden in einer Baugrube in Nürnberg, doch so alles anrichten kann.

Da findet sich tatsächlich in der „Moststraße 33“, der schönen Glosse in den „Fürther Nachrichten“, die mutige Behauptung, die Stadt Nürnberg sei nicht nur 57, sondern sogar 157 Jahre älter als ihre kleine Schwester Fürth.

Einmal davon abgesehen, dass Fürth zwar die „kleinere, aber schönere Schwester“ von Nürnberg ist – so schrieb das der Nürnberger (!!!) Schriftsteller Godehard Schramm – sie ist auch mitnichten jünger als ihre große Nachbarin.

Immerhin gibt es Spuren an unserer „Rednitzfurt“, die wohl aus dem Jahr 750 stammen. Und bei der ersten urkundlichen Erwähnung können wir allemal mithalten: Schließlich haben wir 2007 deren 1000-jähriges Jubiläum gefeiert, während die Nürnberger im Jahr 2000 auf 950 Jahre zurückblickten.

Also, liebe und geschätzte Glossenschreiber: Obacht bei solch gewagten Behauptungen. Und wenn die Nürnberger nun noch ältere Scherben finden, dann müssten wir in Fürth halt auch nochmal nachbohren – oder nachgraben.

 

Herzlichen Glückwunsch Lothar!

Über die Verleihung des Ehrenbriefes der Stadt Fürth an meinen Stellvertreter Lothar Berthold habe ich mich sehr gefreut. Herzlichen Glückwunsch, lieber Lothar und vielen Dank für die gute Zusammenarbeit!

Karin Jungkunz

 

Grüße aus Buenos Aires

Über diese Zeilen von Robert Schopflocher aus Argentinien habe ich mich sehr gefreut und wir möchten Sie Ihnen nicht vorenthalten.

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Foto privat

Robert Schopflocher, 1923 in Fürth geboren und 1937 mit seiner Familie vor den Nazis nach Argentinien geflohen, machte sich dort nicht nur als Unternehmer einen Namen, sondern auch als Autor. Er erhielt den Jakob-Wassermann-Preis der Stadt Fürth und ist seiner Heimat nach wie vor sehr verbunden.

 Liebe Frau Jungkunz,

voller Freude habe ich ihren Heimatruf vernommen und wünsche Ihnen für Ihre Aufgabe als Heimatpflegerin für Glück. Allein Ihr Familiennamen stellt ja Garantie und gleichzeitig Verpflichtung dar!
Wenn ich auch aus sattsam bekannten Gründen fern von meinen Fürther Urheimat lebe, werde ich ihr bis an mein Lebensende verbunden bleiben. Das Nathanstift und der Stadtpark, die Kärwah mit Kaschperle und Brathering´, die Maischuln, die Hauptsynagoge und das Pegnitzufer mit der Gänswies, der Florentiner Rathausturm und die Michaeliskirch´ – vor allem aber die nichtjüdischen Freunde, die meiner Familie in böser Zeit die Treue bewahrten, sind mir stets gewärtig.
Alles Gute aus Buenos Aires
Rosa rojaIhr Robert Schopflocher (Jahrgang 1923)Rosa roja

Der Fürther Hauptbahnhof

 

Für die Stadtheimatpflege gibt es zum Erhalt des Vorbaus am Hauptbahnhof keine Alternative. Das gesamte Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz und so soll es auch bleiben. Der Fürther Bahnhof und sein Vorplatz sind Ausdruck der Fürther Stadtentwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und gehören zum Stadtbild. Man darf gespannt sein, zu welchem Ergebnis das vom städtischen Baureferat in Auftrag gegebene Gutachten kommt. An der technischen Machbarkeit, den Vorbau zu erhalten, liegt es sicherlich nicht. Das hat bereits ein Gutachten ergeben. Es darf vermutet werden, dass es eher um die Kosten geht. 

Siehe Artikel unten aus den Fürther Nachrichten vom 24. Januar 

Streit um Abriss der Bahnhofsvorhalle spitzt sich zu
Deutsche Bahn und Landesamt für Denkmalpflege haben keine einvernehmliche Lösung gefunden — Entscheidung noch 2015

VON JOHANNES ALLES

In der Diskussion um die Modernisierung des Hauptbahnhofs haben sich die Fronten verhärtet. Die Deutsche Bahn beharrt auf dem Abriss der Vorhalle aus dem Jahr 1914. Das Landesamt für Denkmalpflege widerspricht. Entscheiden muss die Stadt.

FÜRTH — Dieser Konflikt kam mit Ansage. Im Sommer 2012, ein Architekturbüro erstellte gerade eine Machbarkeitsstudie zum Umbau des Bahnhofgebäudes, dämmerte es Oberbürgermeister Thomas Jung bereits. Er sehe einen Konflikt „zwischen der reinen Lehre des Denkmalschutzes und der wirtschaftlichen Nutzung des Bahnhofsgebäudes“ heraufziehen, sagte er damals den FN. Näher wollte er sich vor dem Abschluss der Studie nicht äußern.
Vor einem Jahr erfuhr dann auch die Öffentlichkeit, woher Jungs Bedenken rührten. Das Sanierungskonzept der Bahn beinhaltet unter anderem den Abriss der Vorhalle. Dazu muss man wissen: Der gesamte Bahnhof steht unter Denkmalschutz. Das Hauptgebäude stammt aus dem Jahr 1863/64, Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die Flügel dazu, im Jahr 1914 dann der Vorbau, der zurzeit das DB-Ticket-Center und einen Zeitschriftenladen beherbergt.

„Erheblicher Schaden“

Die Verantwortlichen im Fürther Rathaus hofften noch im vergangenen Sommer, dass Bahn und Denkmalschützer eine Lösung finden. Vergeblich. „Die Fronten haben sich weiter verhärtet“, sagte Oberbürgermeister Jung am Freitag auf FN-Anfrage. Das Landesamt für Denkmalpflege sieht die Schalterhalle als „integralen Bestandteil“ des Bahnhofs. Die Deutsche Bahn allerdings, so Jung, habe angekündigt, ohne Abrissgenehmigung mache sie gar nichts mehr.
Wie berichtet, will die DB nicht nur das marode Gebäude sanieren, sondern auch das Untergeschoss, wo sich die Pendlerströme bewegen, „großzügig ausbauen“. Somit soll unter anderem Platz für Geschäfte entstehen. Nach den Worten des städtischen Baureferenten Joachim Krauße hat ein Gutachten der Bahn ergeben, dass der unterirdische Ausbau die Statik der Vorhalle ins Wanken bringt. Ihr Erhalt, so habe man es Krauße mitgeteilt, sei „mit einem vernünftigen technischen Aufwand“ nicht machbar.
Also soll sie weg und durch einen Neubau aus Glas und Stahl ersetzt werden. Von Seiten des Landesamts heißt es jedoch: Das würde nicht nur den „historischen Wert“ des Bahnhofs schmälern, sondern auch „dem architektonischen Erscheinungsbild erheblichen Schaden zufügen“. Bekanntlich kann die Münchner Behörde den Abriss aber nicht verbieten, sondern lediglich Empfehlungen aussprechen. Entscheiden muss die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Fürth. Um sich – zumal nach dem Streit um den Festsaal des Park-Hotels – nicht dem Vorwurf der „Leichtfertigkeit“ auszusetzen, so Krauße, will die Stadt „alles tun, um zu klären, ob es nicht doch eine Möglichkeit für den Erhalt gibt“. In Rücksprache mit dem Landesamt plant er, in Kürze auf die Bahn zuzugehen und den Konzern um das Einverständnis für ein weiteres Gutachten zu bitten. Die Stadt würde nicht nur das Büro auswählen, sondern auch die Kosten übernehmen.
Krauße glaubt, dass noch im Laufe dieses Jahres eine Entscheidung fallen muss. „Es wird nicht einfacher, indem man abwartet.“ Das Ziel sei ein „funktionsfähiger Bahnhof“, der den „Ansprüchen an moderne Reisezentren genügt“. Auf der anderen Seite stehe die Verpflichtung gegenüber dem Denkmalschutz. Wie würde er über die Vorhalle entscheiden, wenn sich auch nach einem weiteren Gutachten keine einvernehmliche Lösung finden sollte? Krauße: „Ich werde mir erst eine Meinung bilden, wenn wir das selbst überprüft haben.“