Archiv der Kategorie: Aus den Medien

Kein Schutz für altes Gemäuer

Das Landesamt für Denkmalpflege gerät wegen seiner Entscheidungen in Fürth immer mehr in die Kritik.
Artikel aus der FN vom 16.10.2019

Waren die strengen Entscheidungen des Landesamts für Denkmalpflege früher einmal bei Altbaubesitzern gefürchtet, empört das neuerdings zurückhaltende Einstufen von Denkmalwürdigem die Freunde historischer Bausubstanz.
Auf völliges Unverständnis ist zuletzt die Entscheidung der Behörde gestoßen, das sogenannte Batzenhäusle in der Ulmenstraße nicht unter Denkmalschutz zu stellen. Das seit 1565 bekannte und seit 1788 beurkundete Gebäude soll abgerissen werden, um einem modernen Wohnhaus Platz zu machen.
Der Altbau, so der Eigentümer, ist im Hinblick auf den Wohnkomfort nicht mehr zeitgemäß. Einen Neubau hält der Baubeirat nur dann für genehmigungsfähig, wenn er nicht größer ausfällt als der Altbau. Eine Abfuhr hat das Landesdenkmalamt dem Vorstoß des Beirats und der Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz erteilt, das Batzenhäusle unter Denkmalschutz zu stellen. Die Bedeutung des Hauses als ehemals beliebte Einkehrmöglichkeit reiche nicht aus, heißt es in der Begründung.
Untermauert wird diese mit dem Hinweis auf die mehrfachen Modernisierungen geopferte historische Ausstattung. Als Gaststätte sei das Gebäude am ehemaligen Kirchenweg von Fürth nach Kronach und Ronhof nicht mehr wahrnehmbar.
Diese Einschätzung hat Methode, kritisiert die Stadtheimatpflegerin. Auch der Gaststätte „Zu den sieben Schwaben“ in der Otto-Seeling-Promenade, der Stadelner Fabrikantenvilla auf dem ehemaligen Leistritz-Areal und einer Oberfürberger Villa aus den 30er Jahren sei wegen Modernisierungen der Ausstattung die Denkmalwürdigkeit versagt worden.
Aktuell wird über die Einstufung des Altbaus Ludwigstraße 24 gerungen – neben der „Pechhüttn“ Ecke Schwabacher Straße, Karolinenstraße eines der ältesten Südstadthäuser. Auch hier rümpfen die Landesdenkmalschützer über nachträgliche Umbauten, etwa der Sanitäreinrichtung, die Nase. Das kann Karin Jungkunz nicht verstehen: „Die Leute sollen wohl heute noch in Höhlen leben?“, fragt sie angriffslustig. Hinter der restriktiven Haltung der Behörde vermutet die Stadtheimatpflegerin finanzielle Zwänge. Denn für Baudenkmäler können die Besitzer Zuschüsse einfordern und Investitionen abschreiben. Dieses Problem sollte nach Ansicht von Karin Jungkunz aber besser durch eine Änderung der Zuschussrichtlinien gelöst werden als durch das Versagen der Denkmalwürdigkeit.
Der Fürther Bauausschuss teilt die Bedenken der Stadtheimatpflegerin. Von einer „beunruhigenden Entwicklung“ spricht Oberbürgermeister Thomas Jung. Die Einschätzungen des Landesdenkmalamtes seien immer weniger vermittelbar. Die Behörde bewege sich in ihren Urteilen zunehmend in einer vom Alltag abgehobenen Expertenwelt.
Für den Neubau des Batzenhäusles hat der Architekt des Eigentümers drei Planvarianten vorgelegt. Zähneknirschend stimmte der Bauausschuss nun einer davon zu, bei der das neue Gebäude vier Meter weit vom stark frequentierten Fuß- und Radweg entlang der Pegnitz weggerückt wird. Der Altbau grenzt noch direkt daran an. Verkehrstechnisch verspricht diese Lösung immerhin eine Verbesserung.
Einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan mit Vorschriften an die Neubauten in diesem Bereich gibt es nicht. Über naturschutzrechtliche Aspekte und die Hochwasserproblematik sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen.

An der Schwelle zum Expressionismus: Fürther Kunstgalerie feiert die Wiederentdeckung des Malers Benno Berneis

Mit den großen Malern seiner Zeit war Benno Berneis (1883–1916) auf Du und Du. Jetzt holt ihn die Kunstgalerie seiner Geburtsstadt Fürth aus bald 100-jähriger Vergessenheit ins öffentliche Bewusstsein zurück.
Artikel aus den FN vom 24.07.2018

Man darf sich Galeriechef Hans-Peter Miksch als wählerischen Kunstsinnigen vorstellen. Entsprechend sparsam, nämlich mit dem Satz „Vielleicht ist er ja auch zu Recht unbekannt“, kommentierte er jene Entdeckung, die Fürths Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz gemacht zu haben glaubte.
2014 hatte das Jüdische Museum München Malerei von Künstlern gezeigt, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren — unter ihnen war jener Benno Berneis, der 1916 im Luftkampf fiel und 33 Jahre zuvor als Spross einer jüdischen Schuhfabrikantenfamilie in Fürth zur Welt gekommen war. Benno wer? Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in der Königstraße hatte ihn der Weg nach Berlin geführt. Als Schüler Max Liebermanns, Lovis Corinths und Ernst Slevogts fand er rasch Anschluss an die Freie Sezession und wurde zum Darling der zeitgenössischen Feuilletons. Zusammen mit Henri Matisse stellte Berneis 1909 — längst sind seine dynamischen Reiterskizzen und -gemälde nicht nur in Kennerzirkeln ein Begriff — im Kunstsalon Paul Cassirer aus, der seinerzeit als Maß aller Dinge galt.
Ein reichhaltiges Konvolut seiner Arbeiten hüten die Berlinische Galerie (dort finden Berneis-Werke in schöner Regelmäßigkeit einen immerhin kleinen Platz in der Ausstellung) und Nachkommen der Familie. Und spätestens hier fiel auch dem skeptischen Miksch die Kinnlade südwärts. „Wir haben es mit einem sehr guten Künstler an der Schwelle vom Impressionismus zum Expressionismus zu tun.“ Kein glühender Avantgardist, vielmehr ein Kind seiner Zeit — gleichwohl ein überaus begabtes.
Wie er das innere Empfinden widerzuspiegeln vermag, hat Rezensenten noch bis 1917 berührt, als der Salon Cassirer ihm zu Ehren eine Gedächtnisausstellung organisierte. Besucher der Fürther Schau wiederum können erahnen, dass Berneis, hätte er die Kriegswirren überlebt, die Türen zu einer großen Karriere als „richtiger“ Expressionist weit offen gestanden hätten. Seine drei Theaterszenen etwa, in denen er seinen Pinselduktus und das Skizzenhafte selbstbewusst zur Schau stellt, machen die Begeisterung seiner Zeitgenossen nachvollziehbar. In wuchtigen Öl-Großformaten: präzise ausgetüftelte Licht- und Farbkontraste. Und immer wieder, auch in Tusche- und Kohlezeichnungen, Reiter, Pferde, Energie, Dynamik.
Geschenkt, dass Benno Berneis nicht ganz zufällig im Stadtjubiläumsjahr von der Liste der verlorenen Fürther Söhne gestrichen werden kann. Wichtiger: Ein vergessener Maler ist zurückgekehrt. Ein Ausrufezeichen nicht nur im Fürther Kunst-Kalender 2018.

Radikaler Wandel an prominenter Stelle

Die frühere Commerzbank hat ihr Äußeres komplett verändert: Die meisten finden das gut – aber nicht alle

Ein Artikel von JOHANNES ALLES (FN vom 01.05.18)

Das frühere Commerzbank-Gebäude ist seit dem Umbau nicht mehr wiederzuerkennen. Die meisten Fürther weinen der alten Fassade keine Träne nach, Fachleute loben, wie gut sich der neue Stil an seine Umgebung anpasst. Es gibt aber auch jemanden, der von architektonischer „Langeweile“ spricht und sogar das Wort „Schande“ in den Mund nimmt.

FÜRTH — Angesprochen auf das neue Gesicht der früheren Commerzbank, springt Karin Jungkunz erst mal um viele Jahrzehnte in der Zeit zurück. Bei Stadtheimatpflegern muss das vielleicht so sein. „Ich bedauere es sehr“, sagt sie, „dass es den Vorvorgänger nicht mehr gibt.“
Der Vorvorgänger? An der Ecke von Hall- und Rudolf-Breitscheid-Straße stand bis in die 1960er Jahre ein für Fürth so typischer klassizistischer Bau mit Sandsteinfassade. Längst kann man ihn nur noch auf bräunlichen, historischen Aufnahmen betrachten. Im Erdgeschoss hatte er große Fenster mit prächtigen Rundbogen, hinter diesen Glasscheiben saßen schon seit 1921 die Mitarbeiter der Commerzbank-Filiale. Vor rund 50 Jahren wurde das Haus abgerissen. Was danach kam, blieb vielen Fürthern bis zuletzt ein Dorn im Auge. Sie sahen in dem Neubau nichts anderes als einen hässlichen Betonklotz.
Nach dem jüngsten Umbau hat sich das Gesicht erneut vollkommen gewandelt. „Ich bin froh, dass die Bauherren jetzt einiges gemacht haben“, sagt Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz. „Die neue Fassade ist auf jeden Fall ein Gewinn.“ Das Gebäude füge sich deutlich besser ein in die Rudolf-Breitscheid-Straße.
Christofer Hornstein nennt die Umgestaltung sogar eine „Stadtreparatur“, die dringend nötig gewesen sei. Der Architekt aus Ritzmannshof hatte sich in der Bürgerinitiative Bessere Mitte engagiert, er mag die Architektur der Neuen Mitte – und er hält die neue Fassade der Ex-Commerzbank für einen deutlichen Gewinn.
Der Bau aus den 70ern, sagt Hornstein, habe in keinster Weise Bezug genommen auf die Umgebung, den Gebäudetypus der Nachbarschaft oder der Innenstadt. Gut, räumt Hornstein ein, das Haus sei auf seine Art schon etwas Besonderes gewesen, seine Architektur habe sich „etwas getraut“. Aber: „Letztendlich war es ein kontrastierender Solitär, der nicht im Dialog mit dem Ort stand.“ Hornstein mag so etwas nicht.
Jetzt gefällt es ihm schon besser. Zwar sei der Grundkörper für diesen Standort immer noch zu groß beziehungsweise zu hoch, und das Gebäude sei sicherlich kein Knaller, über den Fremde sagen würden: „Wow, dafür lohnt sich ein Fürth-Besuch!“ Aber es sei doch alles in allem eine deutliche Verbesserung, findet Hornstein. Besonders augenfällig werde das, wenn man von der Freiheit kommend in die Breitscheidstraße läuft.

„Eine Fehlleistung“

Ernst-Ludwig Vogel widerspricht. Der Kunstlehrer im Ruhestand, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Hardenberg-Gymnasium zur Stützpunktschule Architektur geworden ist, hat in dem Commerzbank-Gebäude nie einen Betonklotz gesehen. „Das ist er auch keinesfalls gewesen“, sagt Vogel.
Stattdessen lobt er die Fassadenverkleidung: die eleganten Muschelkalkplatten, die je nach Sonneneinstrahlung oder Regennässe ihre Farbe verändert hätten. Er schwärmt von den schrägen Vorsprüngen, die sich über alle Stockwerke zogen, und mit denen der damalige Architekt Ernst Schumm die Biegung der Breitscheidstraße aufgegriffen und verändert habe. Die „Zerstörung“ dieses Gebäudes nennt Vogel in aller Deutlichkeit „eine Schande“.
Und die neue Fassade? „Langeweile, Biederkeit, Spannungslosigkeit“, klagt der frühere Lehrer. In einer „falsch verstandenen Harmonisierung“ dieser Ecke habe man es „mit Anpassung und Anbiederung an die Neue Mitte sichtlich übertrieben“.
Zwar echauffierten sich viele Fürther in Sachen Architektur über das Ludwig-Erhard-Zentrum oder den Erweiterungsbau des Jüdischen Museums, aber der Umbau der Ex-Commerzbank sei die eigentliche architektonische Fehlleistung. Dass sich kaum jemand darüber beschwert, wundert ihn aber irgendwie auch wieder nicht. Der Bau sei viel zu monoton und langweilig, als dass er zum Aufreger tauge.
Was meint der Oberbürgermeister? „Ich habe außer von Herrn Vogel keine kritischen Stimmen gehört“, sagt Thomas Jung, „ich glaube, dass er damit ziemlich isoliert dasteht.“ Jung selbst habe das Gebäude früher jedenfalls als „brutale Störung“ empfunden. Jetzt hingegen füge es sich harmonisch neben der Neuen Mitte in die Fußgängerzone ein. „Ich empfinde das als Wohltat“, sagt der Rathauschef und ergänzt: „Aber jeder darf natürlich seine Meinung haben.“