An der Schwelle zum Expressionismus: Fürther Kunstgalerie feiert die Wiederentdeckung des Malers Benno Berneis

Mit den großen Malern seiner Zeit war Benno Berneis (1883–1916) auf Du und Du. Jetzt holt ihn die Kunstgalerie seiner Geburtsstadt Fürth aus bald 100-jähriger Vergessenheit ins öffentliche Bewusstsein zurück.
Artikel aus den FN vom 24.07.2018

Man darf sich Galeriechef Hans-Peter Miksch als wählerischen Kunstsinnigen vorstellen. Entsprechend sparsam, nämlich mit dem Satz „Vielleicht ist er ja auch zu Recht unbekannt“, kommentierte er jene Entdeckung, die Fürths Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz gemacht zu haben glaubte.
2014 hatte das Jüdische Museum München Malerei von Künstlern gezeigt, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren — unter ihnen war jener Benno Berneis, der 1916 im Luftkampf fiel und 33 Jahre zuvor als Spross einer jüdischen Schuhfabrikantenfamilie in Fürth zur Welt gekommen war. Benno wer? Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in der Königstraße hatte ihn der Weg nach Berlin geführt. Als Schüler Max Liebermanns, Lovis Corinths und Ernst Slevogts fand er rasch Anschluss an die Freie Sezession und wurde zum Darling der zeitgenössischen Feuilletons. Zusammen mit Henri Matisse stellte Berneis 1909 — längst sind seine dynamischen Reiterskizzen und -gemälde nicht nur in Kennerzirkeln ein Begriff — im Kunstsalon Paul Cassirer aus, der seinerzeit als Maß aller Dinge galt.
Ein reichhaltiges Konvolut seiner Arbeiten hüten die Berlinische Galerie (dort finden Berneis-Werke in schöner Regelmäßigkeit einen immerhin kleinen Platz in der Ausstellung) und Nachkommen der Familie. Und spätestens hier fiel auch dem skeptischen Miksch die Kinnlade südwärts. „Wir haben es mit einem sehr guten Künstler an der Schwelle vom Impressionismus zum Expressionismus zu tun.“ Kein glühender Avantgardist, vielmehr ein Kind seiner Zeit — gleichwohl ein überaus begabtes.
Wie er das innere Empfinden widerzuspiegeln vermag, hat Rezensenten noch bis 1917 berührt, als der Salon Cassirer ihm zu Ehren eine Gedächtnisausstellung organisierte. Besucher der Fürther Schau wiederum können erahnen, dass Berneis, hätte er die Kriegswirren überlebt, die Türen zu einer großen Karriere als „richtiger“ Expressionist weit offen gestanden hätten. Seine drei Theaterszenen etwa, in denen er seinen Pinselduktus und das Skizzenhafte selbstbewusst zur Schau stellt, machen die Begeisterung seiner Zeitgenossen nachvollziehbar. In wuchtigen Öl-Großformaten: präzise ausgetüftelte Licht- und Farbkontraste. Und immer wieder, auch in Tusche- und Kohlezeichnungen, Reiter, Pferde, Energie, Dynamik.
Geschenkt, dass Benno Berneis nicht ganz zufällig im Stadtjubiläumsjahr von der Liste der verlorenen Fürther Söhne gestrichen werden kann. Wichtiger: Ein vergessener Maler ist zurückgekehrt. Ein Ausrufezeichen nicht nur im Fürther Kunst-Kalender 2018.

Dunkle Sehnsüchte, romantisches Talent: Benno-Berneis-Ausstellung

Liebe Fürth-Freunde!
Auf dieser Seite finden Sie unter „Aktuelles“ bereits etliche Beiträge über den in Fürth geborenen und während des Ersten Weltkriegs gefallenen Künstler Benno Berneis. Nun ist es tatsächlich gelungen, seine Werke aus der Berlinischen Galerie nach Fürth zu holen.
Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie bei der Ausstellungseröffnung am 20. Juli um 19.00 Uhr und bei der Begleitveranstaltung am 1. August in der kunst galerie fürth begrüßen könnten.

Den Flyer zur Ausstellung finden sie hier:
Berneis_Einladungskarte

Radikaler Wandel an prominenter Stelle

Die frühere Commerzbank hat ihr Äußeres komplett verändert: Die meisten finden das gut – aber nicht alle

Ein Artikel von JOHANNES ALLES (FN vom 01.05.18)

Das frühere Commerzbank-Gebäude ist seit dem Umbau nicht mehr wiederzuerkennen. Die meisten Fürther weinen der alten Fassade keine Träne nach, Fachleute loben, wie gut sich der neue Stil an seine Umgebung anpasst. Es gibt aber auch jemanden, der von architektonischer „Langeweile“ spricht und sogar das Wort „Schande“ in den Mund nimmt.

FÜRTH — Angesprochen auf das neue Gesicht der früheren Commerzbank, springt Karin Jungkunz erst mal um viele Jahrzehnte in der Zeit zurück. Bei Stadtheimatpflegern muss das vielleicht so sein. „Ich bedauere es sehr“, sagt sie, „dass es den Vorvorgänger nicht mehr gibt.“
Der Vorvorgänger? An der Ecke von Hall- und Rudolf-Breitscheid-Straße stand bis in die 1960er Jahre ein für Fürth so typischer klassizistischer Bau mit Sandsteinfassade. Längst kann man ihn nur noch auf bräunlichen, historischen Aufnahmen betrachten. Im Erdgeschoss hatte er große Fenster mit prächtigen Rundbogen, hinter diesen Glasscheiben saßen schon seit 1921 die Mitarbeiter der Commerzbank-Filiale. Vor rund 50 Jahren wurde das Haus abgerissen. Was danach kam, blieb vielen Fürthern bis zuletzt ein Dorn im Auge. Sie sahen in dem Neubau nichts anderes als einen hässlichen Betonklotz.
Nach dem jüngsten Umbau hat sich das Gesicht erneut vollkommen gewandelt. „Ich bin froh, dass die Bauherren jetzt einiges gemacht haben“, sagt Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz. „Die neue Fassade ist auf jeden Fall ein Gewinn.“ Das Gebäude füge sich deutlich besser ein in die Rudolf-Breitscheid-Straße.
Christofer Hornstein nennt die Umgestaltung sogar eine „Stadtreparatur“, die dringend nötig gewesen sei. Der Architekt aus Ritzmannshof hatte sich in der Bürgerinitiative Bessere Mitte engagiert, er mag die Architektur der Neuen Mitte – und er hält die neue Fassade der Ex-Commerzbank für einen deutlichen Gewinn.
Der Bau aus den 70ern, sagt Hornstein, habe in keinster Weise Bezug genommen auf die Umgebung, den Gebäudetypus der Nachbarschaft oder der Innenstadt. Gut, räumt Hornstein ein, das Haus sei auf seine Art schon etwas Besonderes gewesen, seine Architektur habe sich „etwas getraut“. Aber: „Letztendlich war es ein kontrastierender Solitär, der nicht im Dialog mit dem Ort stand.“ Hornstein mag so etwas nicht.
Jetzt gefällt es ihm schon besser. Zwar sei der Grundkörper für diesen Standort immer noch zu groß beziehungsweise zu hoch, und das Gebäude sei sicherlich kein Knaller, über den Fremde sagen würden: „Wow, dafür lohnt sich ein Fürth-Besuch!“ Aber es sei doch alles in allem eine deutliche Verbesserung, findet Hornstein. Besonders augenfällig werde das, wenn man von der Freiheit kommend in die Breitscheidstraße läuft.

„Eine Fehlleistung“

Ernst-Ludwig Vogel widerspricht. Der Kunstlehrer im Ruhestand, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Hardenberg-Gymnasium zur Stützpunktschule Architektur geworden ist, hat in dem Commerzbank-Gebäude nie einen Betonklotz gesehen. „Das ist er auch keinesfalls gewesen“, sagt Vogel.
Stattdessen lobt er die Fassadenverkleidung: die eleganten Muschelkalkplatten, die je nach Sonneneinstrahlung oder Regennässe ihre Farbe verändert hätten. Er schwärmt von den schrägen Vorsprüngen, die sich über alle Stockwerke zogen, und mit denen der damalige Architekt Ernst Schumm die Biegung der Breitscheidstraße aufgegriffen und verändert habe. Die „Zerstörung“ dieses Gebäudes nennt Vogel in aller Deutlichkeit „eine Schande“.
Und die neue Fassade? „Langeweile, Biederkeit, Spannungslosigkeit“, klagt der frühere Lehrer. In einer „falsch verstandenen Harmonisierung“ dieser Ecke habe man es „mit Anpassung und Anbiederung an die Neue Mitte sichtlich übertrieben“.
Zwar echauffierten sich viele Fürther in Sachen Architektur über das Ludwig-Erhard-Zentrum oder den Erweiterungsbau des Jüdischen Museums, aber der Umbau der Ex-Commerzbank sei die eigentliche architektonische Fehlleistung. Dass sich kaum jemand darüber beschwert, wundert ihn aber irgendwie auch wieder nicht. Der Bau sei viel zu monoton und langweilig, als dass er zum Aufreger tauge.
Was meint der Oberbürgermeister? „Ich habe außer von Herrn Vogel keine kritischen Stimmen gehört“, sagt Thomas Jung, „ich glaube, dass er damit ziemlich isoliert dasteht.“ Jung selbst habe das Gebäude früher jedenfalls als „brutale Störung“ empfunden. Jetzt hingegen füge es sich harmonisch neben der Neuen Mitte in die Fußgängerzone ein. „Ich empfinde das als Wohltat“, sagt der Rathauschef und ergänzt: „Aber jeder darf natürlich seine Meinung haben.“

Einblicke in das Südstadtbuch

Liebe Fürth-Freunde,
im vergangenen September konnten wir unser Buch über die Geschichte der Fürther Südstadt präsentieren. Es macht uns schon etwas stolz, dass es so gut ankommt. Hier finden Sie einige Kapitel und Ergänzungen, die Lust machen sollen, sich das ganze Werk anzuschauen. Es ist beim Städtebilderverlag von Lothar Berthold, der Geschäftsstelle der Fürther Nachrichten in den Malzböden und im Buchhandel für 25 Euro zu erwerben.
Viele Freude beim Lesen!
 Hier ein kleiner Einblick in einige Kapitel des Südstadtbuches:
Kapitel Kirchen
Kapitel Sport
Kapitel Str-Namen

Kapitel Zukunftsreich

 

Außerdem haben Amerikanische Freunde unseren Autor Bernd Jessusek auf eine Fürth betreffende Website aufmerksam gemacht: 

http://www.lostimagesofww2.com/photos/places/fuerth.php

Eine schöne Ergänzung seines Kapitels über „Little America“.

 

Und das sagt unser OB Dr. Jung:

Herzlich möchte ich für Ihr großartiges Werk der Geschichte der Fürther Südstadt danken.

Ich konnte es jetzt vollständig durchlesen und habe unendlich viel Neues durch Bilder und Text erfahren dürfen. Mir war die Südstadt schon vertraut aus Kindeszeiten, da in der Schwabacher Str. 138 meine Großeltern lebten. Immer wieder begegneten mir im politischen Leben auch Menschen, die sich sehr bewusst als „Südstädter“ vorstellten, nicht etwa als Fürther oder aus einem Vorort kommend. Das hat mich schon früh gelehrt, dass hier Menschen mit eigenem Stolz, eigener Geschichte und eigenem Bewusstsein leben. Das vielfältige Zusammenspiel von Kirchen, Kunst, Kulturgeschichte, Braukunst mit Gastronomie, Gewerbe und öffentlichen Raum, wird in dem Werk eindrucksvoll geschildert. Die Abrundung durch Weikershof und die Straßennamen der Südstadt, sowie die infra-Unternehmensgruppe ist ebenfalls hervorragend gelungen. Die Bedeutung des Sports und der Filmtheater ist zwar teilweise Geschichte, teilweise aber immer noch prägende Präsenz.

Ich danke auch für die Darstellung der neueren Entwicklungsmöglichkeiten, nach dem Wegfall der über ein Jahrhundert prägenden Kasernensituation. Dieses Kapitel der Südstadtentwicklung durfte ich aktiv miterleben und gestalten und ist deshalb für mich persönlich von besonderem Interesse.

Alles in allem haben wir jetzt für das Jubiläum, im Vorgriff auf das Jubiläumsjahr, ein Buch über Fürths bedeutensten, größten und damit auch wichtigsten, vielleicht sogar zukunftsfähigsten Stadtteil.

 

Herzlichen Dank für die Mühe, das Können und den Fleiß für dieses Meisterwerk.

Ihr

Dr. Thomas Jung

Auf den Spuren einer Künstlerin

Vielen Dank der FN für die Erinnerung an die Künstlerin Gudrun Kunstmann und ihre Werke! Ganz so vergessen ist ihre Arbeit im öffentlichen Raum jedoch nicht. Seit Beginn unserer Tätigkeit als Stadtheimatpfleger haben wir uns immer wieder für die Kunst im öffentlichen Raum, gerade der 50er Jahre, eingesetzt und die Restaurierung der Kunstmann-Figuren im Stadtpark aktiv unterstützt.

Hier der Artikel aus der FN vom 09.01.18:

Erinnerungen an Gudrun Kunstmann, die präsent und zugleich fast vergessen ist

Der Name der vor hundert Jahren in Erlangen geborenen Künstlerin Gudrun Kunstmann ist nicht mehr vielen Menschen ein Begriff. Er gerät zunehmend in Vergessenheit – obwohl ihre Skulpturen, Brunnenfiguren und Wandreliefs uns in Fürth und in Nürnberg an vielen öffentlichen Orten begegnen.
FÜRTH — Die 1950er Jahre haben es Claus Baierwaldes angetan. Regelmäßig durchstreift der Nürnberger Fotograf seine Stadt auf der Suche nach Motiven aus dieser Zeit. So ist er auf die Kunstwerke Gudrun Kunstmanns gestoßen – und hat sich in ihre Plastiken verliebt.
Märchengestalten und Tiere formte sie besonders gerne. Die prominentesten aus Fürther Sicht sind wohl die Märchenfiguren im Stadtpark – und das Bronze-Nilpferd, das im Untergeschoss des City-Centers jahrelang an das 1990 aus dem Zirkus „Fliegenpilz“ entlaufene Zwergflusspferd „Elsbeth“ erinnerte. Die Plastik war eine Leihgabe der Tiergartenfreunde Nürnberg und wurde 2016 zurückgegeben.
Heute harren manche von Kunstmanns Skulpturen an öffentlichen Orten aus, an denen sie kaum Beachtung finden – andere „werden geliebt und wahrgenommen“, sagt Baierwaldes, der dabei an ihre Tierplastiken im Nürnberger Tiergarten denkt, auf denen Kinder rumrutschen : Unter anderem eine Bache mit Frischlingen, eine Wisentgruppe, ein Kamel und ein Pelikan haben dort ein Zuhause. Auch in anderen Tiergärten sind Plastiken der Bildhauerin zu entdecken.
Verzaubert ist Baierwaldes aber auch von der bronzenen „Gänseliesel“, die 1952 entstand und die nun in der Grundschule im Nürnberger Ortsteil Ziegelstein ihren Platz hat (ein zweites Exemplar steht in der Schule in Wilhermsdorf). Stundenlang könne er im Gesicht der Grimm’schen Märchenfigur lesen, sagt er. „Der Ausdruck hat eine ganz besondere Ausstrahlung.“ Vor allem fasziniert ihn die für Kunstmann typische Gestaltung der meist schräg stehenden Augen, mit der sie ihren Märchenfiguren Leben einhauchte. Die Bilder von Kunstmanns Werken hat er vorerst nur für seine persönliche Sammlung von 50er-Jahre-Motiven gemacht; eines Tages könnte daraus ein Buch über die Spuren dieser Zeit werden.
Zu Lebzeiten hatte es die im Juni 1917 geborene Gudrun Kunstmann – ihr Urgroßonkel war der Philosoph und Kulturkritiker Friedrich Nietzsche – zu einiger Bekanntheit gebracht. Sie hatte an den Akademien in Nürnberg und München studiert und gilt als eine bedeutende Vertreterin des modernen Realismus. Sie arbeitete mit Bronze, Stein, Keramik und Draht und beschäftigte sich auch mit Wandmalereien. Ihre Werke waren bei Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. 1956 wurde sie zum Mitglied des internationalen Franklin-Instituts ernannt, außerdem war sie Mitglied im „International Institute of Arts and Letters“. Bis zu ihrem Tod 1994 hatte sie ihr Atelier in der Fürther Espanstraße.
Im März 1982 hatte sie das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen – nicht allein für ihr großes bildhauerisches Schaffen, sondern unter anderem auch für ihre pädagogischen Verdienste. Insbesondere an der Fürther Volkshochschule gab sie in Vorträgen ihr Wissen weiter.
Von ihrem Schaffensdrang zeugen etwa der Brestlasbrunnen auf dem Cadolzburger Marktplatz, die Elefanten am Eingang der Fürther Kinderklinik, Fassadenkunstwerke wie in der Leibnizstraße, die träumerisch dreinblickende „Ophelia“ am Nürnberger Nordklinikum, der „Schwarze Engel“ an einem Gebäude am Jakobsplatz oder die Justitia-Gruppe am Rathausgiebel in Bad Windsheim.
In Nürnberg hat Baierwaldes unter anderem den „Drachenbrunnen“ fotografiert, der sich auf dem Pausenhof der Herschelschule in der Südstadt befindet und schon bessere Tage gesehen hat. „Als ich den Brunnen fotografierte, sprang mir ein Hase entgegen“, sagt er – so still sei es um das Kunstwerk geworden. „Hätte Gudrun Kunstmann zu Dürers oder Adam Krafts Zeiten gelebt, wäre sie weltberühmt“, davon ist der Fotograf überzeugt.

Opfer von Vandalismus
Dadurch, dass sie im öffentlichen Raum stehen, sind Kunstmanns Werke aber auch verletzlich: Mehrfach wurden sie durch Vandalismus beschädigt. Der Froschkönig-Prinzessin im Fürther Stadtpark wurde etwa 2014 der Kopf abgeschlagen, vom Aschenbrödel waren nur noch Bruchstücke übrig. 16 000 Euro kostete Aschenbrödels Rekonstruktion, seit September steht es wieder auf seinem angestammten Podest am Rande des Spielplatzes im Stadtpark. Die Stadt wagt damit wieder mehr als früher, als sie etwa die Figuren „Drei Grazien“ oder die „Tänzerin“, die im Empfangsgarten an der Auferstehungskirche standen, entfernte.
Weit über die Hälfte der Kosten der jüngsten Wiederherstellung übernahm Günther Schönwasser, Geschäftsführer einer Fürther Immobilienfirma, der auch schon vorher Instandsetzungen finanzierte – aus persönlicher Verbundenheit. Er kennt und schätzt die Statuen seiner Kindheit.
In Nürnberg wird derzeit der schwer beschädigte Brunnen „Faun mit Frosch“ im Nürnberger Stadtpark restauriert – auf Baierwaldes’ Initiative.

M. PRILL/J. RUHNAU/C. ZIOB

Kärwa ist Kulturerbe!

Die gute Nachricht zum Jahreswechsel freut natürlich auch die Stadtheimatpfleger: Die Fürther Michaelis-Kirchweih wird in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen! Ein dickes Dankeschön an Dr. Martin Schramm vom Fürther Stadtarchiv, der die Bewerbungsbegründung so intensiv betrieben hat.
Und: Dranbleiben, damit wir auch die Aufnahme in das Bundesverzeichnis schaffen. Unsere Kärwa hat es verdient!

Gegen das Vergessen – Simon Rötsch und die Fürther Spuren jüdischen Lebens

Mit seiner Arbeit über die „Spuren jüdischen Lebens in Fürth während des Ersten Weltkriegs“ holte Simon Rötsch aus Oberasbach einen Landessieg beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten und wurde in München ausgezeichnet. Die Nachforschungen des 16-Jährigen sind auf einer Homepage im Internet zu finden.

(von Sabine Rempe)

„Ich interessiere mich schon seit längerem für die Geschichte des Ersten Weltkriegs.“ Ein Satz, den Simon Rötsch irgendwann ganz beiläufig sagt und der bei ihm völlig selbstverständlich klingt. Trotzdem eine kurze Nachfrage: Wann erwachte denn seine Aufmerksamkeit für diese Zeit? „Da war ich ungefähr 13“, überlegt der Schüler, der am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium die 11. Jahrgangsstufe besucht. „Ich habe mich immer viel mit meinem Opa unterhalten und ihm Fragen gestellt.“ Und dann war da noch die Sache mit den Feldpostkarten.
Die entdeckte er damals im Keller der Großeltern: „Die lagen in einem Schrank“. Geschrieben hatten sie die Brüder seiner Urgroßmutter, sie waren während des Ersten Weltkriegs an der Westfront. Simon begann, mehr und mehr Informationen zu sammeln. Als ihn Felizitas Handschuch, Lehrerin am Oberasbacher Gymnasium, dann ansprach, ob er sich nicht beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beteiligen wolle, nickte er nicht nur, sondern wusste auch gleich ein passendes Thema.

Alte Zeitungen gewälzt

„Schon bei den ersten Nachforschungen hatte ich entdeckt, was für eine entscheidende Rolle die jüdischen Mitbürger in Fürth während des Ersten Weltkriegs spielten.“ Nun ging Simon systematisch an seine Aufgabe heran und machte in Archiven und Bibliotheken Station. Im Fürther Stadtarchiv wälzte er zum Beispiel alte Zeitungen, blätterte in Geburts- und Sterbeurkunden. In München besuchte er das Bayerische Kriegsarchiv und schaute sich Offizierspersonalakten an. Besonders spannende Informationen fand er auch im Archiv des Jüdischen Museums Franken, in dem er recherchieren durfte.
Doch es blieb nicht beim Blick in längst in die Jahre gekommene Papiere: „Ich habe per Mail Kontakt aufnehmen können mit Nachfahren und auf diese Weise unter anderem Fotos bekommen.“ Gut ein halbes Jahr lang schrieb der 16-Jährige dann an seinem Wettbewerbs-Beitrag, dem er den Titel „Fiorda 14 – 18“ gab und sich damit auf den traditionsreichen hebräischen Namen für Fürth und seine Jüdische Gemeinde bezog. Exemplarisch stellt Simon fünf Männer vor, berichtet über ihr Leben und versucht auch darzustellen, wie und ob sie ihren Glauben gelebt haben.

Zum Hauptmann befördert

Zu den Protagonisten gehört etwa Albert Rosenfelder, der 1864 in Fürth zur Welt kam. Er wurde Mitinhaber der Bilderbücherfabrik Löwensohn, 1909 zum Kommerzienrat ernannt und 1914 zum Königlichen Handelsrichter am Bezirksgericht in Fürth berufen. Rosenfelder engagierte sich unter anderem als Ortsdelegierter des Roten Kreuzes und in der Fürther Kriegsfürsorge. Bei Kriegsausbruch 1914 stellte er sich als Offizier zur Verfügung, kurz darauf wurde er eingezogen und zum Hauptmann befördert.
Auf dem Truppenübungsplatz Hainberg war Rosenfelder dann für die Schulung neuer Soldaten zuständig. Unter bis heute ungeklärten Umständen wurde er dort am 1. Juli 1916 ermordet. Wer – augenscheinlich aus der Nähe – einen Schuss abgeben konnte, der Rosenfelder in den Kopf traf, sollte zwar von einer Militärkommission aufgeklärt werden, doch das Ergebnis dieser Untersuchung ließ viele Fragen offen.
Zu den Biografien, die Simon Rötsch recherchierte, gehört auch die von Benno Berneis. Ein Name, der in Vergessenheit geriet, was der Schüler nicht nachvollziehen kann: „Benno Berneis war ein Maler des aufkommenden Expressionismus, Mitglied bei der Freien Secession in Berlin rund um Max Liebermann und Max Slevogt und zu seiner Zeit vielbeachtet und hochgelobt.“ Der Künstler, geboren am 9. Mai 1883 in Fürth, besuchte das Humanistische Gymnasium – heute Schliemann-Gymnasium – und war Mitglied der Schülerverbindung Abituria. Simon Rötsch berichtet in seiner Arbeit davon, dass Benno Berneis‘ Bild „Reiter am Meer“ 1913 bei der vielbeachteten 26. Ausstellung der Berliner Secession zwischen den Werken von Lovis Corinth und Max Beckmann im großen Mittelsaal der Schau gezeigt wurde.
Bei Kriegsausbruch 1914 meldete auch Berneis sich freiwillig. Am 8. August 1916 stirbt er mit 33 Jahren bei einem Luftkampf über Saint-Souplet in Frankreich. Teile seines Nachlasses befinden sich seit 2014 in der Berlinischen Galerie. Rötsch hatte inzwischen die Chance, diese Werke in der Ausstellung und im Depot anschauen zu können und zwar gemeinsam mit der Fürther Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz: „Sie ist natürlich sehr an Benno Berneis interessiert, für August kommenden Jahres ist eine Ausstellung mit seinen Arbeiten in der kunst galerie fürth geplant.“
Detailliert und spannend sind auch die anderen Biografien, die Rötsch zusammengetragen hat. Damit diese in Teilen durchaus exemplarischen Lebensläufe nicht in Vergessenheit geraten, hat er eine bemerkenswerte Homepage gestaltet (www.fiorda14-18.com). Inzwischen dokumentiert er dort auch nach und nach das Schicksal der jüdischen Kriegsopfer Fürths, deren Namen auf dem Denkmal am Neuen Jüdischen Friedhof verzeichnet sind.
Fertig, sagt Simon Rötsch, ist er noch lange nicht. „Es bleibt noch viel zu tun.“

 

Das schreibt uns Oberbürgermeister Dr. Jung

Herzlich möchte ich für Ihr großartiges Werk der Geschichte der Fürther Südstadt danken.

Ich konnte es jetzt vollständig durchlesen und habe unendlich viel Neues durch Bilder und Text erfahren dürfen. Mir war die Südstadt schon vertraut aus Kindeszeiten, da in der Schwabacher Str. 138 meine Großeltern lebten. Immer wieder begegneten mir im politischen Leben auch Menschen, die sich sehr bewusst als „Südstädter“ vorstellten, nicht etwa als Fürther oder aus einem Vorort kommend. Das hat mich schon früh gelehrt, dass hier Menschen mit eigenem Stolz, eigener Geschichte und eigenem Bewusstsein leben. Das vielfältige Zusammenspiel von Kirchen, Kunst, Kulturgeschichte, Braukunst mit Gastronomie, Gewerbe und öffentlichen Raum, wird in dem Werk eindrucksvoll geschildert. Die Abrundung durch Weikershof und die Straßennamen der Südstadt, sowie die infra-Unternehmensgruppe ist ebenfalls hervorragend gelungen. Die Bedeutung des Sports und der Filmtheater ist zwar teilweise Geschichte, teilweise aber immer noch prägende Präsenz.

Ich danke auch für die Darstellung der neueren Entwicklungsmöglichkeiten, nach dem Wegfall der über ein Jahrhundert prägenden Kasernensituation. Dieses Kapitel der Südstadtentwicklung durfte ich aktiv miterleben und gestalten und ist deshalb für mich persönlich von besonderem Interesse.

Alles in allem haben wir jetzt für das Jubiläum, im Vorgriff auf das Jubiläumsjahr, ein Buch über Fürths bedeutensten, größten und damit auch wichtigsten, vielleicht sogar zukunftsfähigsten Stadtteil.

 

Herzlichen Dank für die Mühe, das Können und den Fleiß für dieses Meisterwerk.

Ihr

Dr. Thomas Jung