Über unsere Arbeit

 

Aus der gemeinsamen Bekanntmachung des Bayerischen Kultus- und des Innenministeriums „Heimatpflege in den Landkreisen, Kreisfreien Städten und Großen Kreisstädten“. Sie ordnet die Zuständigkeiten der Heimatpflege und stellt dar, wie die amtlich bestellten Kreis- und Stadtheimatpfleger in die planungs-, bau- und denkmalrechtlichen Verfahren einzubinden sind ( imText kursiv und eingerückt dargestellt).

Wir haben im Folgenden die wichtigsten Regelungen daraus und Anmerkungen dazu zusammengefasst.

Aufgaben des Heimatpflegers

Heimatpflege will erhalten und gestalten. In der Vergangenheit geschaffene Werte von geschichtlicher, wissenschaftlicher, künstlerischer, städtebaulicher und volkskundlicher Bedeutung sollen bewahrt und gepflegt werden.

Die Denkmalstadt Fürth mit ihren etwa 2000 Denkmälern hat in diesem Zusammenhang für den Stadtheimatpfleger ein großes Betätigungsfeld.

Seien es die geschichtsträchtigen Bauten aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, wie die Ensembles um den Grünen Markt, die Bauwerke aus der Zeit der Industrialisierung wie das Berolzheimerianum oder die Konversionsgebiete in der Fürther Südstadt, die Zeugnisse der Geschichte der beiden Weltkriege und der Nachkriegszeit sind.

Gerade diesen „nachwachsenden Denkmäler“, also schützenswerten Bauten aus den 50er bis 70er Jahren gilt es, mehr Augenmerk zu widmen. Besonders in der Südstadt sehe ich ein großes Betätigungsfeld. Schließlich sollen zu den vorhandenen Denkmälern auch weitere hinzukommen.

Von wissenschaftlichem Wert sind z.B. die Erinnerungen an die großen Söhne der Stadt wie Ludwig Erhard, Schickedanz oder Grundig, aber auch die Spuren Wilhelm Löhes oder die der jüdischen Stifter.

Künstlerische Werte wurden in unseren Sakralbauten geschaffen, aber auch die Kunst im öffentlichen Raum gilt es zu erhalten und zu fördern.
Der Arbeitskreis Kunst am Bau hat ja bereits begonnen, sich um den Erhalt z.B. der Fassadenkunst im öffentlichen Raum einzusetzen. Dies muss unterstützt werden.

Von städtebaulicher Bedeutung sind nicht nur die in der Denkmalliste aufgeführten Gebäude, sondern auch die Viertel im Bereich der „Sozialen Stadt“.
Städtebauliche Bedeutung heißt aber auch, ein bewahrendes Auge auf die künftige bauliche Entwicklung der Stadt zu haben. Nicht ohne Sorge sehe ich die zunehmende Verdichtung der Freiflächen in unserer Stadt.

Zur Fürther Stadtgeschichte gehört ganz eng auch die Geschichte der Fürther Juden. Hier sind besonders das jüdische Museum, der jüdische Friedhof, aber auch die vielen kleinen Spuren zu nennen, die das jüdische Leben in unserer Stadt hinterlassen hat.

Die Erhaltung der geschichtlichen Dimension unserer Kultur und die Einfügung der Neuschöpfungen in das Vorhandene sind vielseitige Aufgaben und bedürfen der vertrauensvollen Mitarbeit vieler.

Stadtheimatpflege ist Netzwerkarbeit. Die genannte vertrauensvolle Mitarbeit vieler kann nur gelingen, wenn man den offenen Dialog mit allen Beteiligten sucht. Dabei ist die Zusammenarbeit mit Stadtarchiv und Stadtmuseum, dem Geschichtsverein oder der Stadtarchäologie genauso wichtig, wie die Auseinandersetzung mit dem Naturschutz oder den in jüngster Zeit entstandenen Gruppierungen wie „Wir sind Fürth“ etc.

Definierte Aufgaben:

Beteiligung nach dem Denkmalschutzgesetz

Die Heimatpfleger beraten und unterstützen die Denkmalschutzbehörden und das Landesamt für Denkmalpflege in den Fragen der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes; ihnen ist durch die Denkmalschutzbehörden in den ihren Aufgabenbereich betreffenden Fällen rechtzeitig Gelegenheit zur Äußerung zu geben. Nach dieser Bestimmung sind die Heimatpfleger bei einer großen Zahl von Fällen im Vollzug des Denkmalschutzgesetzes und auch der Baugesetze zu beteiligen.

Hier ist besonders darauf zu achten, dass diese Beteiligung rechtzeitig stattfindet. Dazu gehört natürlich auch die Teilnahme an Sitzungen, in denen relevante Entscheidungen fallen.

Beteiligung im Planungs- und Bauwesen

Die örtliche Planung ist Selbstverwaltungsaufgabe der Gemeinden. Sie stellen nach dem Bundesbaugesetz (6) Bauleitpläne (Flächennutzungs- und Bebauungspläne) auf, in denen die Entwicklung des Gemeindegebiets, seine bauliche und sonstige Nutzung vorbereitet und geleitet werden. Bei der Aufstellung der Bauleitpläne sind insbesondere zu berücksichtigen u.a. die erhaltenswerten Ortsteile, Bauten, Straßen und Plätze von geschichtlicher, künstlerischer oder städtebaulicher Bedeutung und die Gestaltung des Orts- und Landschaftsbilds

Auch bei der Behandlung einzelner Bauvorhaben im bauaufsichtlichen Verfahren dürfen die Forderungen der Heimatpflege nicht unbeachtet bleiben.

Gesichtspunkte der Heimatpflege sind weiter zu beachten, wenn örtliche Bauvorschriften der Bayerischen Bauordnung über besondere Anforderungen an die äußere Gestaltung baulicher Anlagen und an Werbeanlagen zum Schutz bestimmter Bauten, Straßen, Plätze und Ortsteile von geschichtlicher, künstlerischer oder städtebaulicher Bedeutung oder zum Schutz von Baudenkmälern usw. erlassen werden.

Vor der förmlichen Festlegung eines Sanierungsgebiets nach dem Städtebauförderungsgesetz soll die Gemeinde möglichst frühzeitig den Trägern öffentlicher Belange, deren Aufgabenbereich durch die Sanierung berührt werden kann, Gelegenheit zur Stellungnahme geben

Bei der Anlage neuer Friedhöfe und beim Erlass von Satzungen über das Friedhofswesen soll der Heimatpfleger die Gemeinde mit seinem Rat unterstützen, damit die Ruhestätten der Toten würdig gestaltet werden.

Bei der Neu- oder Umbenennung von Straßen wird der Heimatpfleger Gelegenheit finden, auf eine richtige, den örtlichen Verhältnissen entsprechende Wahl der Straßennamen Einfluss zu gewinnen.

Pflege von Brauchtum, Trachten, Volkslied, Volksmusik, Volkstanz und Mundart

Als gebürtige Fürtherin geht es mir speziell um die Pflege und den Erhalt des Fürther Dialekts, wie er z.B. auch noch im Kärwa-Brauchtum oder bei den Theatergruppen gepflegt wird.

Ziel aller Bemühungen soll sein, das überlieferte bodenständige Kulturgut in der ganzen Vielfältigkeit lebendig zu erhalten und breite Bevölkerungskreise damit anzusprechen.

  • Betreuung von Heimatmuseen und privaten Sammlungen
  • Erziehung zum Heimatgedanken

Breiteste Bevölkerungskreise, insbesondere die Jugend, sollten noch mehr als bisher für die Bestrebungen, den Sinn und Zweck der Heimatpflege gewonnen werden. Das kann durch Wort und Schrift geschehen. Der Heimatpfleger kann durch eigene Vorträge oder Vermittlung von Vorträgen geeigneter Personen Freude an der Heimatpflege wecken und vertiefen.

Als Stadtführerin sehe ich in dieser Aufgabe einen Schwerpunkt meiner Arbeit. Die Neugier an der Geschichte unserer Stadt ist in den letzten Jahres stets gewachsen. Nicht nur Touristen, sondern besonders auch Einheimische beginnen, sich mit der Vergangenheit ihrer Heimat auseinanderzusetzen und nach Spuren der eigenen Geschichte zu suchen. Gerade seit dem Stadtjubiläum haben die Fürther erkannt, wie toll unsere Stadt ist und wie gut es sich in ihr leben lässt. Dies muss weiter gefördert und unterstützt werden.

Heimatgeschichtliche und heimatkundliche Veröffentlichungen in Heimatbüchern und in der Presse finden viel Anklang. Die Vertiefung des Verständnisses der Bevölkerung für die notwendige Erhaltung unserer kulturellen Vergangenheit hängt nicht zuletzt von der Öffentlichkeitsarbeit ab, die der Heimatpfleger in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die ähnliche Ziele verfolgen, betreibt.

Als gelernte Öffentlichkeitsarbeiterin und Journalistin fühle ich mich dieser Aufgabe besonders verbunden.

  • Zusammenarbeit mit den Bezirksheimatpflegern
  • Zusammenwirken mit Dienststellen und Verbänden

die kirchlichen Stellen
die Schulen aller Art
die Archivpfleger
die Fachkräfte des Naturschutzes
die wissenschaftlichen Institutionen und die staatlichen Museen und Sammlungen
die regionalen und lokalen Heimatverbände

Fazit:

Der französische Schriftsteller und Journalist Guy de Maupassant hat mir eine wunderbare Vorlage für mein Verständnis von Stadtheimatpflege geliefert:

„Wer seine Heimat wirklich liebt, begnügt sich nicht mit täglichen Lobgesängen, sie sei die beste, die erste auf der Welt. Nein, er arbeitet unablässig daran, dass sie es ist und bleibt.“

Um diesem hohen Ziel gerecht zu werden, bitte ich um die wohlwollende Unterstützung aller, die unsere Heimat Fürth lieben und bewahren wollen. Rückschläge, Auseinandersetzungen und Konfrontationen werden vermutlich nicht ausbleiben.

Doch hoffe und wünsche ich, dass es dabei immer um unsere Heimat Fürth gehen möge und keine persönlichen Verletzungen zurückbleiben.

Karin Jungkunz zum Amtsantritt als Stadtheimatpflegerin der Stadt Fürth am 1. September 2014